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Samstag, 26. März 2022

Der Kapitalismus als Opfer der aktuellen Krisen?

Andrian Kreye beschäftigt sich in seinem Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit den wirtschaftlichen Folgen der Krisen: Ist der Kapitalismus ein Opfer?

 

Verschärfung durch den Krieg

Die Kornkammer in Flammen, leere Regale in Supermärkten, 2,4 Milliarden Menschen, die sich nicht ausreichend ernähren können. Der Ukraine- Krieg wird die seit Jahren anhaltende Krise der Welternährung weiter verschärfen.
 

Vielfältige Gründe

Kreye beschreibt strukturelle Gründe für die Krise: Die Abhängigkeit von Erdöl und Düngemittel, die Marginalisierung von Kleinbauern oder die Produktion von Biodiesel. Dies könnte dazu führen, dass der Weltmarkt und der Globalisierung nicht nur der Auslöser, sondern auch das Opfer dieser Zeit werden könnte: Die Wertschöpfungs- und Lieferketten sind seit Covid aus der Balance geraten, mit katastrophalen Folgen für das Welternährungssystem

Reform oder Katastrophe?

In dieser Mehrfachkrise aus Covid und Kriege könnte zu einer Katastrophe führen: Gesellschaften werden instabiler, Missernten. Dies könnte zum Ende des globalen Kapitalismus führen. Noch bleibt Zeit für eine Reform.

Sonntag, 20. Februar 2022

Unser Gesundheitssystem ist krank

Werner Bartens geht in der Süddeutschen Zeitung mit unserem Gesundheitssystem hart ins Gericht: Dieses System ist krank. Schuld daran ist der Profitwahnsinn in der Medizin. Er widerspricht dem penetranten Selbstlob, dass Deutschland gut durch die Krise gekommen ist.

Kosten werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert

Für Barents ist das deutsche Gesundheitssystem vollkommen heruntergewirtschaftet. Statt sich um die Daseinsfürsorge zu kümmern, ist es zu einem Industriezweig verkommen – einem sehr umsatzstarken.
Kliniken müssen Gewinne erwirtschaften, unrentable Abteilungen werden geschlossen, nicht lukrative Kranke sollen sich woanders auskurieren. Zurecht vermerkt er, dass bei Polizei und Feuerwehr niemand fordern würde, dass diese Gewinne machen sollen. Durch die Privatisierung gibt es eine Umverteilung von Geld aus dem Solidarsystem zur Vermehrung der Gewinne von Aktionären.

Patienten sind die Opfer

Wenn Chefärzte für Masse bezahlt werden, sind die Patienten die Opfer. Dass viele oft gut behandelt werden, liegt letztlich an der Selbstausbeutung von Ärzten und Pflegepersonal
Eine Ursache ist die Fallpauschale: Pro Diagnose bekommt das Krankenhaus eine bestimmte Summe. Es gibt also einen Anreiz weitere Diagnosen zu codieren, Kranke werden kränker gemacht als sie sind – oder „blutig entlassen“ Eine weitere Absurdität - Sonderzahlungen für viele Operationen. „Da kann die die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff schon mal einseitig positiv ausfallen“

Es fehlen Leute, die pflegen und trösten

In Krankenhäusern sind neue Jobs entstanden: Codierfachkräfte, Hygienefachkräfte und Qualitätssicherer. Sie sorgen für viele Prüfplaketten, dafür fehlen Menschen, die anderen Menschen pflegen, trösten und ihnen beistehen.

Ein Haus würde zusammenbrechen

Bartens bringt einen interessanten Vergleich zum Hausbau, bei dem die Handwerker für jede Steckdose oder Wasserhahn behalt werden. Das Haus enthielte zu viele Steckdosen und schränke zum dreifachen Preis – und würde zusammenkrachen, obwohl die Handwerker bestens ausgebildet sind – und sie würden keine Mitarbeiter finden.

Freitag, 11. Februar 2022

Das Pflegedesaster

Eine Dokumentation der Reihe ZDF Zoom beschäftigt sich mit der schwierigen Situation bei der Pflege: Zu viel Belastung, zu wenig Geld und Personal. Viele der Probleme bestehen seit Jahren, die Corona-Pandemie macht es endlich für alle sichtbar.

Verschärfung durch Corona

Die Situation in der Pflege hat sich durch die Corona-Pandemie weiter verschärft. Einige befürchten, dass die Situation durch die Impfpflicht Mitte März noch verschärft werden können. Präsentiert werden aber auch Beispiele, bei denen Einrichtungen bereits jetzt nur Geimpfte arbeiten lassen und es nur wenige Kündigungen gab.

Vielfältige Lösungsansätze

In deutschen Kliniken fehlen schon jetzt 50.000 Pflegekräfte, 2030 werden es über 60.000 sein. Schon jetzt sind Klinken und Pflegeeinrichtungen kreativ, um Beschäftigte zu halten oder neue zu bekommen. Es gibt Kopfprämien, werben Fachkräfte aus dem Ausland oder heuern Leasingfirmen an. Diese dürfte es eigentlich gar nicht geben, so der Leiter einer Zeitarbeitsfirma.

Bessere Arbeitsbedingungen

Bei Zeitarbeitsfirmen finden viele Pfleger*innen bessere Arbeitsbedingung. Auch für eine Krankenpflegerin wäre auch durch deutlich mehr Geld nicht zu halten gewesen. Dennoch ist die Bezahlung ein wichtiger Faktor: einerseits um die bereits tätigen Pfleger*innen besser zu entlohnen, andererseits um den Beruf dauerhaft attraktiv zu machen. Das Problem wird auf jeden Fall bleiben: es wird mehr Menschen geben, die Pflege benötigen, gleichzeitig werden viele Pfleger*innen in Ruhestand gehen.

Video

Einen Teil der Dokumentation gibt es auf dem Youtube-Kanal von ZDFheute

Freitag, 21. Januar 2022

75 Jahre Globalisierung

Ein Blick auf 75 Jahre Globalisierung bietet ein Artikel in der ZEIT. 1947 beschließen 23 Staaten das Welthandelsabkommen GATT, 1999 wurde dann die Welthandels-organisation WTO gegründet. In Seattle kam es auch zu Ausschreitungen durch die Anti-Globalisierungs-Bewegung. Spätestens mit Donald Trump ist der Zweifel an der Globalisierung an oberen Stellen angekommen, ein weiterer Rückschlag gab es durch die Corona-Krise.

Hoffnung auf Wohlstand

Die Welthandelsorganisation stand für eine enge Verzahnung der Volkswirtschaften und die Hoffnung auf Wohlstand. Geplant waren regelmäßige Treffen, um weitere Handelshindernisse abzubauen.

Immer mehr Handelsabkommen

Forscher befürchteten sei eine "Spaghettischüssel" voller Einzelverträge zwischen Ländern und Regionen. Wer Globalisierung und Wohlstand für alle wolle, müsse das innerhalb der WTO machen. Das Gegenteil ist passiert, gab es 1994 noch 38 Handelsabkommen, waren es Anfang 2022 sind es schon 354.

Die WTO verliert an Bedeutung

Nicht zuletzt dadurch verlor die Welthandelsorganisation an Bedeutung. 2001 wurde China Mitglied, hielt sich aber nicht an die Regeln: Die Staatsführung manipulierte die Währung, betrieb Technologiediebstall und subventionierte strategische Branchen. Donald Trump drohte mit dem Austritt und begann mit Handelskriegen gegen China und der EU:

Freiwillige Globalisierungsclubs

Ökonomen schlagen Mini-Abkommen und Globalisierungsclubs vor – bei denen aber nur mitmacht, wer will. Die WTO stellt dabei den Rahmen und Raum zur Verfügung, wenn sich Mitglieder beispielsweise auf Standards für den handels-erleichternden Datenschutz im Internet einigen möchten.

Sonntag, 9. Januar 2022

Metaverse: Die bizarren Träume und was daraus werden kann

Es klingt wirklich bizarr – das Leben in einen gemeinsamen virtuellen Raum, trotzdem gilt es als das nächste Megageschäft. 
Meta steht für jenseits, der Begriff wurde durch einen Science-Fiction-Roman bekannt und es klingt auch so. Metaversum können User die Welten mitgestalten und dort „leben, lernen, arbeiten und feiern“. Es ist auch schwer zu verstehen, aber ein Artikel im SPIEGEL hat mir etwas geholfen.

Rollentausch als Reiz der Sache

Es ist wohl eher etwas für Gamer, die sich bereits unter Phantasienamen in einer virtuellen Welt bewegen – sie schlüpfen in eine Rolle und spielen dort. Ullrich Fichtner schreibt in einem Essay über die Zukunft unserer Kinder: "Wer Kindern und Jugendlichen schon einmal länger beim »Fortnite«- oder »Minecraft«-Spielen zugesehen hat, weiß, dass die neue Welt des Metaversums kommt, weil sie sich in den Köpfen junger Menschen heute im Prinzip längst dreht."

Neue Identität annehmen

Jeder Nutzer kann eine neue Identität annehmen, jede Nutzerin an mehreren Orten gleichzeitig sein. Ein Leben, das so echt wirkt wie das reale – mit dem Vorteil, dass es komplett kontrollierbar scheint. Physischer Realität und virtuellem Leben verschmelzen in einer digitalen Parallelwelt: Man sieht nicht nur Inhalte – man ist mitten drin, Menschen können als Avatare arbeiten, Konzerte besuchen, miteinander spielen, Schon 2003 hatten technikbegeisterte Computerspielfans mit „Second Life“ die Idee für ein zweites, virtuelles Leben. – letztlich ohne Erfolg.

Es bleiben Zweifel

Nicht nur wegen des Scheiterns bleiben Zweifel. Bankanalysten fragen in einer Analyse, welches Problem das Metaversum für Hunderte Millionen Menschen lösen soll?«, schreiben die Bankanalysten in einem aktuellen Report. Shoppen, Streamen und Spielen könne man auch im heutigen Internet.

Zuckerberg glaubt an die Idee

Mark Zuckerberg glaubt an die Idee. Er hat nicht nur sein Unternehmen in Meta umbenannt, der Verkauf Virtueller Brillen ist bereits jetzt ein wichtiger Geschäftszweig. Er möchte Internetplattformen verknüpfen: Nutzer sollen sich ohne Hürden im Internet bewegen und auch in dieser Welt will er eine entscheidende Rolle spielen.

Montag, 27. Dezember 2021

Warum wir mehr Optimismus wagen können

Henrik Müller fordert im SPIEGEL mehr Optimismus zu wagen.

Schlechte Nachrichten 2021

Es gab viele schlechte Nachrichten: Die Coronapandemie hat uns weiter im Griff, der Klimawandel ist längt spürbar. An der Ostgrenze von EU und NATO braut sich ein Konflikt zusammen, die USA sind auch unter Joe Biden weiter zerstritten. Ob Deutschlands neue Regierung den Herausforderungen gewachsen ist, muss sich erst noch erweisen.
Dennoch sieht Müller einen „stetigen Strom an Neuerungen, Verbesserungen und graduellen Verhaltensänderungen“ mit „erstaunlichen Folgen“.

Mehr Wohlstand

In den vergangenen fünf Jahrzehnten ist das deutsche Wohlstandsniveau, gemessen an der inflationsbereinigten Wirtschaftsleistung pro Einwohner, um rund das Zweieinhalbfache gestiegen.
Mit Ausnahme der Finanzkrise 2008/09 und der Coronakrise 2020 ging es immer nur bergauf.

Mehr Wohlbefinden

Zwischen 2000 und 2020 stieg die Lebenserwartung Neugeborener in Deutschland um drei Jahre. Auch das aktuell empfundene Wohlbefinden ist auf hohem Niveau. Müller fordert Probleme nicht zu ignorieren, im Gegenteil: die Thematisierung negativer Entwicklungen sieht er als Voraussetzung für langfristige Wachstumszuwächse.
Er teilt auch nicht das Argument sich von der Wachstumsideologie zu verabschieden, da sich Ressourcenverbrauch und Wohlstandszuwachs längst entkoppelt haben. Aber der Umstieg auf eine klimaneutrale Wirtschaftsweise erfordert keineswegs den Abschied vom ökonomischen Fortschritt, sondern im Gegenteil seine Beschleunigung.

Keine Selbstläufer

Müller betont, dass dies alles kein Selbstläufer ist und verweist auf die Geschichte, in der es immer wieder Rückschläge gab. Es braucht einige Rahmenbedingungen, darunter verlässliche Institutionen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine stabile internationale Ordnung. Daher sieht er in aktuellen Krisensymptomen– politische Polarisierung, gesellschaftliche Risse im Zuge der Pandemie, geopolitische Konfrontation – Warnsignale, die das Potenzial haben, den langfristigen Zug des Fortschritts spürbar zu bremsen.
 

Sonntag, 26. Dezember 2021

Fünf gute Nachrichten 2021

Zum Abschluss des Jahres möchte ich Optimismus verbreiten. Zunächst hervorragende Nachrichten, die Hoffnung machen, präsentiert von Christian Stöcker im SPIEGEL 

Erneuerbare Energie

Der Siegeszug ist nicht mehr aufzuhalten: Bereits 2020 stammte 30 % der globalen Elektrizitätsproduktion aus erneuerbaren Energien – 2021 wird es noch mehr. Besonders rasant ist die Entwicklung in China. Bereits zehn Staaten, darunter Norwegen, haben das Ziel 100 % fast erreicht.

Transparente Solarmodule

Transparenten Solarmodulen, die man wie Fenster im Gebäude einbauen oder sogar als Folien auf existierende Scheiben aufbringen kann, sind marktreif. Die Gebäude oder Gewächshäuser der Zukunft könnten künftig rundum mit stromerzeugendem Material eingehüllt sein.

Elektromobilität

Auch hier ist Norwegen Vorreiter: 2020 wurden mehr Elektrofahrzeuge verkauft als Benziner und Diesel zusammen.

Biotechnologie und Lebenswissenschaften

Auch in den Bereichen Biotechnologie und Lebenswissenschaften sieht Stöcker viele Erfolge. Exemplarisch nennt er eine Datenbank mit Strukturvorhersagen über Proteine, die im menschlichen Leben vorkommen. Die Möglichkeiten dieser durch lernende Maschinen erstellte Datenbank wird das Verständnis revolutionieren, wie das Leben funktioniert.

mRNA-Impfstoffe und Medikamente

mRNA-Impfstoffe wurden durch die Impfstoffe gegen Corona bekannt. Sie können aber gemeinsam mit Medikamenten noch viel mehr Krankheiten bekämpfen: gegen Malaria sind Medikamente bereits im Einsatz, gegen Krebs, Tuberkulose und andere Menschheitsgeißel.