Im Titelthema geht es in der ZEIT vom 7. Mai um das Thema, wo Deutschland noch funktioniert. Ich stelle einige Teile der Berichte vor
Deutschland: Wir werden immer gut, wenn wir uns für schlecht halten
Ileana Grabitz argumentiert in ihrem Artikel, dass Deutschland oft am stärksten war, wenn es sich am schwächsten fühlte.
Made in Germany
Die Briten entwickelten 1887 das Label „made in Germany“, um vermeintlich minderwertige Produkte aus Deutschland kenntlich zu machen. Bald machten die Deutschen mit hochwertigen Waren den Briten Konkurrenz. Bei China ist es ähnlich: Stand es früher für Plastik- und Elektroramsch, sind chinesische Produkte heute gefürchtete Konkurrenz. In Deutschland hingegen wächst das Gefühl, nicht mehr zu den führenden Wirtschaftsnationen zu gehören.
Wirtschaftlicher Erfolg mit Selbstunterschätzung verbunden
Darin könnte eine Chance liegen, denn in der Geschichte war Deutschland immer gut, wenn es sich selbst unterschätzt hatte: erst im Vergleich zu Frankreich und Deutschland, später zu den USA: Preußen schaffte das Humboldt’sche Universitätsideal, um das sie später beneidet wurde. Auch von der Industrialisierung Englands schauten sie sich einiges an, so entstand ein modernes Schienennetzt. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vergleich zu den USA: Die Amerikaner waren die Ersten, die Deutschen oftmals Meister darin, die großen Innovationen zu veredeln.
Vieles ist besser geworden
Heute dominieren Rituale des Jammerns und der gegenseitigen Schuldzuweisungen. Dabei ist auch in den letzten Jahren viele besser geworden: Medizinische Versorgung, Kinderbetreuung, Kultur, der starke Mittelstand, der Rechtsstaat funktioniert, der Wohlstand ist hoch.
Ein im Artikel genannter Psychologe empfiehlt ein realistisches Bild. Man darf sich nicht auf den Erfolgen ausruhen und sollte auch bei Erfolgen Maßhalten: Die Bürger seien kaum noch bereit, bei sinkender Produktivität unter Umständen mehr zu arbeiten.
Es gibt den neuen Geist
Die Zeit berichtet über einige Initiativen, die diesen Geist in sich tragen. Menschen in der Verwaltung, die der Bürokratie den Kampf ansagen, sinnlose Vorschriften ignorieren oder Initiativen wie der Bau von Windrädern. Der Großindustrielle Werner von Siemens verwies auf die mächtige Zauberkraft, wenn es ernst damit ist und die Tatkraft dahintersteht und ergänzte. „Für augenblicklichen Gewinn verkaufe ich die Zukunft nicht.“
Du bist schon stabil
Verschiedene Autoren zeigen in kurzen Berichten, dass Deutschland trotz aller Jammerei in vielen Bereichen vorne dabei ist.
1. Deutschland profitiert von mehr als 1.600 »Hidden Champions«
In Deutschland gibt es viele unbekannte mittelständische Unternehmen, die sich weltweit behaupten. Sie basieren auf einem Fokus auf Technologie und sind gewohnt über Grenzen zu expandieren.
Das ist nicht ohne Risiko, denn viele Der Produkte sind kopierbar, aber durch Anpassungen schafften viele Unternehmen weiter vorne dabei zu sein.
2. Das Ehrenamt hält die Gesellschaft zusammen
Rund 27 Millionen Menschen arbeiten ehrenamtlich, jeder Fünfte davon mehr als sechs Stunden in der Woche. Sie arbeiten im Sport, sozialen Diensten, Kultur und Musik. Es gibt 23.760 freiwillige Feuerwehren, aber nur 114 Berufsfeuerwehren. Studien zeigen, dass dies einem Gegenwert von 32 Mrd. Euro im Jahr entsprechen würden.
3. Das Stromnetz ist zuverlässig
Unser Stromsystem gehört zu den zuverlässigsten der Welt. 60 Prozent kommen aus erneuerbaren Energiequellen. Es bleibt noch viel zu tun, wie der Ausbau von Batteriespeichern und Gaskraftwerke zur Kapazitätssteuerung. die Betreiber von Batteriespeichern.
4. Das deutsche Theater ist ein immaterielles Weltkulturerbe
Viele Städte besitzen Theaterbauten und Kulturerbe - das deutsche Theater ist immaterielles Weltkulturerbe. Das ist ein Erbe der Kleinstaaterei, aber auch ein Reichtum. Deutsche Theater sind Unikate, auch weil jedes Haus seine eigene Beziehung zur Stadtgesellschaft entwickelt.
5. Nie verbrachten Väter mehr Zeit mit ihren Kindern
Die Situation für Familien hat sich verbessert. Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau haben sich verbessert: Nie verbrachten Väter mehr Zeit mit ihren Kindern.
6. Korruption ist in Deutschland viel seltener als anderswo
Deutschland gehört zu den am wenigstenkorrupten Ländern der Welt. Die Organisation Transparency International sieht Deutschland auf Platz 10. Dänemark und finnland liegen hier vorne, die USA auf Platz 29, China auf Platz 76. Während sich die Suituation weitweit verschlechtert hat, verbessere sich die Situation in Deutschland sogar.
7. Anleger vertrauen dem deutschen Staat und leihen ihm gerne Geld
Deutschland gilt als besonders kreditwürdig. Deutschland ist eines von nur elf Ländern mit der besten Bonitätsnote. Deutschland muss relativ wenig für die Schulden bezahlen. Die Rendite für deutsche Staatsanleihen liegt bei 3,1 %, US-Anleihen hingegen bei 4,4 %. Dabei geht es um viel Geld: Müsste Deutschland auf seine gesamten Schulden (2,7 Billionen Euro) einen Prozentpunkt höhere Zinsen zahlen, entspräche das 27 Milliarden Euro.
8. Alle sind krankenversichert
Trotz der schlechten Nachrichten bietet auch das Gesundheitssystem viele Pluspunkte: Spitzenmedizin ist für alle zugänglich, fast alle Menschen haben eine Krankenvesicherung. Deutsche Patienten zahlen im EU-Vergleich relativ wenig, die hausärztliche Versorgung funktioniert. Innovative Arzneimittel sind in Deutschland sehr schnell verfügbar, in anderen Länder warten Menschen oft Jahre.
9. Die Deutschen sind so glücklich wie selten zuvor
Bernd Raffelhüschen verweist in einem Interview darauf, dass trotz aller Krisen die Zufriedenheit der Menschen recht hoch ist. Entscheidend sind die vier Gs: Gesundheit, Gemeinschaft, also der Zusammenhalt, eld und die genetische Disposition, ob man das Glas halb voll oder halb leer sieht.
10. Die kostenlose Ausbildung ist ein Vorbild für die Welt
Universitätslandschaft, das hochwertige und kostenlose Ausbildung bietet. Ebenso stolz können die Deutschen auf ihr duales Ausbildungssystem sein, das wichtige praktische Erfahrungen bietet.
11. Wo wir sonst noch spitze sind
Beim allerletzten Punkt – der Deutschen Bahn – kann ich nicht zustimmen, an den anderen Punkten ist aber sicher was dran:
- In der Fankurve im Fußballstadion
- Beim Pfandsystem
- Unsere Baumärkte!
- Unser Brot, unsere Bratwürste
- Und natürlich: das Bier
- Beim Rodeln und Bobfahren
- Beim Dressurreiten und im Skeleton
- Bei der Vergabe von Knöllchen
- Und die Deutsche Bahn? (Na ja, vielleicht in zehn Jahren)