In einem weiteren interessanten Vortrag der Reihe VHS Wissen live war Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft zu Gast. Er zog eine wirtschaftliche Zwischenbilanz nach einem Jahr Regierung von Donald Trump. Er beschrieb sein Seminar mit „Disruption als Geschäftsmodell“. Dies bedeutet, dass Trump Regeln und Normen zerstört und durch Dinge ersetzt, die er für wichtig hält.
Bekannte, aber oft unterschätze Paradigmen von Donald Trump
Zu Beginn beschrieb Langhammer einige Paradigmen von Donald Trump
Institutionen wie die EU richten sich gegen die EU
- Trump möchte die EU spalten
- Handel ist schlecht – er ist Anhänger des Merkantilismus, d.h. Importe sollen verhindert werden, Exporte hingegen sind gern gesehen.
- Er glaubt nicht an den Klimawandel und die Folgen der Umweltverschmutzung
- Er hat eine zwiespältige Haltung zum Dollar: Er will einen schwachen Dollar, es besteht aber die Gefahr von Risikoaufschläge für US-Papiere
- Er regiert am Kongress vorbei – oft mit Notstandsdikreten
- „Trump always chickens out“: Unter Druck zieht Trump oft zurück
- Trump ist ein „Transaktionalisten“, der schnell handelt, Meinung ändern, Partner unter Druck setzt und nichts Gutes von Partnern erwarten
Bereits in der ersten Amtszeit bezeichnete Trump die Hartz-Reformen als Raub am amerikanischen Wohlstand. Dadurch hätten die Deutschen die Währung unterbewertet und die Amerikaner mehr deutsche Produkte gekauft.
Wachstum und Inflation im ersten Amtsjahr
Die Zentralbank hat die Prognose für das Wachstum deutlich gesenkt, gleichzeitig ist die Inflation mit rund 3 % höher als erwartet. Wenn Wähler Inflation und Wachstum als Kriterium nimmt, sieht es für Trump nicht gut aus. Trumps Politik führte auch zum höchsten Wert des Unsicherheitsindex seit der Corona-Krise – Unsicherheit ist Gift für Investitionen.
Trumps Handelspolitik
Der Referent unterschied zwischen den angekündigten Zöllen und den effektiven Zöllen, d.h. den Zolleinnahmen am Importvolumen. Da viele Händler vor der Ankündigung bestellt hatten, war der Effektivzoll zunächst niedrig. Er liegt nun bei 13 %, deutlich höher als die 3 % unter Biden.
Der Deal zwischen den USA und der EU hat zwar für Entspannung gesorgt, er ist aber ein klarer Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation. Die EU hat sich erpressen lassen.
Zölle wirken wie eine implizite Besteuerung. Leiden werden die Ärmeren, da sie aufgrund ihres Warenkorbs mehr für Konsum ausgeben werden. Auch die Durchschnittsamerikaner werden verleihen – Prognosen gehen davon aus, dass sie 1500 Dollar im Jahr verlieren werden.
Probleme sieht er auch für die weiterverarbeitende Industrie in USA, da diese die Importzölle tragen müssen. Deren Einnahmen sind zwar gestiegen, sie werden aber niemals die Höhe erreichen, um die Steuern auszugleichen, die durch Trumps Steuerreform entstanden ist. Trumps Wirtschaftspolitik ist eindeutig gegen Arme gerichtet.
Trumps Umweltpolitik
Donald Trump setzt aufs Öl. Biden hatte mit Vergünstigungen erneuerbare Energien gefordert, Trump ließ diese Politik auslaufen. Aber auch andere Handelspartner folgen dieser Politik. Der Referent nennt hier die Abkehr vom Verbrenneraus und die Verschiebung des Emissionshandels für Verkehr und Gebäude.
Privates Geld auf dem Vormarsch
Das größte Problem von Trumps Politik sieht der Referent in einem Bereich, der am wenigsten in der Öffentlichkeit diskutiert wird – dem Vormarsch des privaten Gelds
Trump will den Dollar schwach halten. Dies könnte bei Investoren zu Zweifeln führen. Sie sehen den Dollar nicht mehr als sicheren Hafen und suchen nach Alternativen, bereits jetzt ist Gold die zweitwichtigste Währung. Die De-Dollarisierung wirkt bereits. Nur noch 56 % der Weltwährung
Stable Coins treten an die Stelle von öffentlichen Akteure
Eine Gefahr sieht der Referent im privaten Geld. Stable Coins sind mit dem Dollar unterlegt, d.h. sie müssen als Sicherheit US-Dollar haben. Zwei große Unternehmen emittieren Stable Coins und treten damit zunehmend an die Stelle öffentlicher Einrichtungen. Stable Coins sind vor allem in Ländern ohne starkes Bankensystem beliebt und ein lukratives Geschäft.
Trump will ihnen noch neue Funktionen hinzugeben. Sie fungieren bereits als Zahlungsmittel und können auch Recheneinheit und Wertbeaufwahrungsmittel werden. Dies könnte zu Krisen führen, denn Wirtschaftskrisen waren immer mit Finanzkrisen verbunden und können wie 2008 von einer Sekunde auf die andere wirken. Bei einer Vertrauenskrise in den Privatgeldmarkt könnte es passieren, dass diese rekapitalisiert werden müssen. Statt einer notwendigen Regulierung hat Trump dereguliert – und erhöht damit die Gefahren. In dieser Politik sieht er die größte Gefahr.
Blick nach vorne
Die Verschuldung der USA steigt sehr stark an. Sie werden langfristig nicht mehr die Bonität haben. Auch die amerikanischen Bürger sparen kaum und geben viel aus. Die Idee der Amerikaner war und ist, dass sich die Welt an den Schulden beteiligt. Amerikanischen Schulden führen dazu, dass die Liquidität wächst. Der Referent betont, dass auch bei uns die Verschuldung hoch ist und betont die impliziten Schulden, z.B. durch die Pensionsversprechen oder das Sondervermögen. Die Bürger sparen – und geben damit u.a. den Amerikanern das Geld.
Zu Unsicherheit führen auch ausstehende Entscheidungen über die Rechtmäßigkeit von Zöllen. Die Pflicht zur Rückzahlung wäre ein gewaltiger Schock. Auch die Benennung des neuen Notenbankpräsident birgt gefahren, wenn die Unabhängigkeit in Gefahr gerät-
Können (nur) die Märkte Trump stoppen?
Abschließend ging der Referent auf die Frage ein, wie Trump gestoppt werden könnte:
- Wähler: Sie könnten bei den Zwischenwahlen Trump die Mehrheit im Kongress verweigern
- Gerichte: Sie prüfen derzeit zahlreiche Gesetze und Anordnungen – das Ergebnis ist aber noch unsicher.
- Märkte: Bisher hat Trump auf vor allem auf die Märkte reagiert.
Der Referent traut am ehesten den Märkten zu, Trump zu stoppen.
Wie sollte Europa reagieren?
Der Referent fordert die Europäer auf, dem amerikanischen Druck zu widerstehen. Dies gilt auch für die Techunternehmen, die einen großen Einfluss auf Trump haben. Europa könnte hier durch Steuern und Gesetze entgegenwirken. Gleichzeitig müsste Europa seinen Binnenmarkt vorantreiben. Vor allem bei den Dienstleistungen könnte damit viel gewonnen werden.
Gegen Rückholung von Gold
Der zuletzt häufig geforderten Rückholung des deutschen Golds aus den USA erteilt der Referent eine klare Absage. Das würde nur als mangelnden Vertrauen in die US-Notenbank interpretiert, die wir brauchen. Es gibt keine Alternative zum Dollar: China hat nur einen internen Markt, der Euro zu schwach – dieses Vertrauen darf nicht gefährdet werden.